SFB/FK-427 Medien und kulturelle Kommunikation

Diskurse der Ökologie


Workshop des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs

Kooperation des Teilprojekts C9 mit dem Forschungsprojekt "Theorie des Verkehrs und der Logistik"

Freitag, 15.02.2008, 14:00-18:00 Uhr
Konferenzraum des Kollegs, Pohligstr.(EG), Köln-Zollstock

Vergiftung, Verschmutzung und Genmanipulation, Ressourcenschwund und Überbevölkerung, Naturkatastrophen und Klimawandel: Ökologische Krisenszenarien stellen eine besondere Herausforderung dar, denn sie scheinen gesellschaftliche Aushandlungsprozesse, zumal im globalen Maßstab, prinzipiell zu überfordern. Trotz eines medial gesteigerten 'Umweltbewusstseins' sind keine politischen, moralischen oder wissenschaftlich-technischen Regulative in Sicht, welche die Gesellschaft wirksam daran hindern, sich im Umweg über ihre Umweltwirkungen selbst zu beschädigen. Genau bei diesem Dilemma setzen aktuelle Diskurse der Ökologie an, die der Workshop diskutieren will. Mit den wissenssoziologischen Studien Latours und dem systemtheoretischen Instrumentarium Luhmanns sollen dabei zwei theoretische Settings in den Vordergrund gestellt werden, die das Problem der Ökologie in fundamentaler Weise auf die Unterscheidung zwischen Natur und Gesellschaft selbst zurückführen.

Latours Programm einer politischen Ökologie analysiert die Mechanismen der neuzeitlichen Trennung zwischen den Belangen von Politik und Natur, die auf ihrer Rückseite eine prekäre Vermischung der beiden Register produziert. Die ökologische Krise erscheint hier als Resultat der unkontrollierten Ausbreitung von sozionaturalen Hybriden, die sich der naturwissenschaftlichen wie auch der politischen Rationalität entziehen. Luhmanns Theorie konstruiert Gesellschaft nicht als Einheit, sondern in ihrer Differenz zur Umwelt. Da soziale Systeme aus Kommunikation bestehen und operativ geschlossen sind, können sie nicht in ihrer Umwelt handeln, sondern nur in Form der Resonanz reagieren. Ökologische Veränderungen können deshalb die moderne Gesellschaft nur als Rauschen, Irritation oder funktional unspezifische 'Angstkommunikation' heimsuchen.

Mit den eingeladenen Gästen Melanie Reddig (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Andreas Ziemann (Bauhaus-Universität Weimar) wird zu diskutieren sein, welche Perspektiven diese Ansätze für Theorie und Politik der Umwelt bieten: Wie sind die Begriffe von 'Gesellschaft', 'Kultur' einerseits, 'Natur' und 'Umwelt' andererseits jeweils zu bestimmen und zu relationieren? Sind Diskurse der Ökologie notwendig Krisendiskurse? Wie lässt sich die wechselseitige Bezogenheit konstruktivistischer und realistischer Konzepte von Natur- und Sozialwelt historisch fassen?

Konzeption: Christoph Neubert, Gabriele Schabacher, Leander Scholz


Programm:

14:00 Begrüßung und Einleitung

14:30 Jun.Prof. Dr. Andreas Ziemann (Bauhaus-Universität Weimar):
"Gesellschaft und ihre Ökologie(n) - Semantiken und Strukturen"

16:00 Kaffeepause

16:30 Dr. Melanie Reddig (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf):
"Die Trennung von Natur und Gesellschaft. Folgen einer Unterscheidung aus Latours und Luhmanns Sicht"



Lektüre zur Vorbereitung des Workshops:

Niklas Luhmann: Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? Vorträge der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften G 278, Opladen: Westdeutscher Verlag 1985.

Birgit Peuker/Martin Voss: Einleitung: Vom realen Verschwinden einer Fiktion, in: dies. (Hg.): Verschwindet die Natur? Die Akteur-Netzwerk-Theorie in der umweltsoziologischen Diskussion, Bielefeld: transcript 2006, S. 9-33.

Die Texte werden vor der Geschäftsstelle des Forschungskollegs als Kopiervorlagen ausliegen.


Veranstaltungstyp: Workshops




Zuletzt geändert am 29. Januar 2008 um 12:18 Uhr - Kontakt - Login zum Bearbeiten