SFB/FK-427 Medien und kulturelle Kommunikation

Mediensport als Gesichterproduktion

Workshop des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs
Teilprojekt B6 (Markus Stauff)

26.06.2008
Kleiner Seminarraum, Bernhard-Feilchenfeld-Str. 11, 3. OG, 50969 Köln (Zollstock)

Die auffällige Dominanz von Gesichtern in der medialen Visualisierung von Sport wirft eine Reihe von Fragen auf, die den ästhetischen Status und die soziale Funktion des Sports betreffen, die darüber hinaus aber auch Aspekte medialer Kommunikation generell berühren.

Sport ist zunächst organisierter und reglementierter Leistungsvergleich; meist stehen dabei bestimmte körperliche Leistungen im Mittelpunkt. Unter Bezug darauf wird die (Medien-) Ästhetik des Sports häufig durch Faktoren wie ›Präsenz‹ (Gumbrecht), ›Mimesis‹ (Alkemeyer/Gebauer), ›Überraschung‹ (Seel), ›Ritualisierung‹ (Bromberger) u.a. gekennzeichnet. Das Gesicht stellt demgegenüber eine Art ›Supplement‹ dar: eine ›bloße‹ Ergänzung, die allerdings sogleich das gesamte Feld mit verändert. Häufig nämlich wird die Fokussierung der Gesichter von Sportlerinnen und Sportlern in den Medien als eine nachträgliche (und prinzipiell überflüssige oder ablenkende) Ausschmückung verstanden, die nur der (›kommerziellen‹/›unterhaltenden‹) Logik der Medien dient. Zugleich wird allerdings im erschöpften oder begeisterten Gesicht nicht selten auch die ›Wahrheit‹ über den Sport, seine Anstrengungen und seinen Enthusiasmus gesucht. Mit dem Gesicht wird dem Sport in der medialen Berichterstattung etwas (der medialen ›Logik‹ gehorchendes) hinzugefügt, was es zugleich ermöglicht neues, anderes vom Sport ›selbst‹ sichtbar zu machen.

Eine Auseinandersetzung mit der Gesichterinszenierung im Mediensport kann somit exemplarisch für die Frage stehen, wie spezifisch die Formen der Wissensproduktion und der ästhetischen Wahrnehmung des Mediensports sind, welchen Regelhaftigkeiten sie folgen und welche Konsequenzen sie für das Verständnis und die kulturellen Funktionen von Sport haben. Über den Sport hinaus wird damit auch die Frage berührt, welchen Stellenwert unterschiedliche Darstellungsformen (Großaufnahmen, Kommentierung, Grafiken etc.) für die massenmediale Wissensproduktion haben. Die Gesichterinszenierung gerät dann beispielsweise als ein Verfahren in den Blick, das prinzipiell unzugänglichen oder auch hoch spezialisierten Aspekten Plausibilität verleiht.

Der Workshop wird die Frage nach der spezifischen Wissensproduktion des Mediensports sowohl in der historischen Perspektive (medial gestützte Genese des modernern Sports) als auch einer systematischen, mediendifferenzierenden Perspektive (Status von Literatur, Fernsehen, Film) diskutieren. Grundlage für die Diskussion sind dabei Texte der eingeladenen Gäste und der Veranstalter. Die Texte können auf Anfrage zugesendet werden.


Gäste:

Tobias Werron, Assistent am Soziologischen Seminar der Universität Luzern; Arbeitsschwerpunkte: Theorie der Weltgesellschaft/Globalisierungsforschung, Mediensoziologie, Soziologie der Statistik, Rechtssoziologie, Sportsoziologie.

Michael Gamper, SNF-Förderungsprofessur für Literaturwissenschaft am Zentrum für Geschichte des Wissens, ETH Zürich; Arbeitsschwerpunkte: Literatur der Romantik und des Vormärz, ästhetischer Paradigmenwechsel um 1800, Masse und andere Kollektivphänomene, Sport und Literatur, Literatur und Wissenschaft (Wissensgeschichte).


Veranstaltungstyp: Workshops




Zuletzt geändert am 13. Mai 2008 um 16:06 Uhr - Kontakt - Login zum Bearbeiten