SFB/FK-427 Medien und kulturelle Kommunikation
Sichtbar unsichtbar
Workshop des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs
Teilprojekte A2 und A6
Gast: Fabienne Pomel, Université de Rennes
13.06.2008, 14-17 Uhr
Konferenzraum des SFB/FK 427, Pohligstr. 1, EG, 50969 Köln (Zollstock)
Mittelalterliche Texte über Jenseitsvisionen gehen in vielfältiger Weise mit Phänomenen der Sichtbarkeit um: Häufig sind Tendenzen erkennbar, den Rezipienten die Jenseitserlebnisse des Visionärs, aber auch bestimmte ‚unsichtbare‘ moralische Prinzipien anschaulich zu machen, was oft über eine allegorische Ausdrucksweise erreicht wird. Dem stehen Techniken der Verschleierung gegenüber, die gerade bei der medialen Vermittlung der Himmelsschau eingesetzt werden, um zu verdeutlichen, dass dem Jenseitsreisenden als sterblichem Besucher der Blick auf die ganze Wahrheit noch verwehrt ist. Analoge Verfahren, einen Abstand zum ‚Gezeigten‘ zu erzeugen, lassen sich auch in bildlichen Darstellungen beobachten. Andererseits kann das Bild auch als Medium der Vision dienen, etwa in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildmeditation.
In dem von den Teilprojekten A2 und A6 organisierten Workshop wird die Thematik aus literaturwissenschaftlicher (Fabienne Pomel) und kunsthistorischer Perspektive (Klaus Krüger) beleuchtet. Im Mittelpunkt steht zunächst das konkrete Motiv des Schleiers, der oft eine Grenze markiert, die aber wegen seiner Transparenz durch Blicke überschritten werden kann. Davon ausgehend sollen weitergehende Fragen diskutiert werden, etwa wie sich die Blicke des Visionärs und des Rezipienten verschränken, welche medienspezifischen Unterschiede sich dabei beobachten lassen und inwiefern den Bildern und Texten der Status der ‚Verschleierung‘ des Eigentlichen zuzuschreiben ist. Auf diese Weise möchte der Workshop einen Beitrag zur Kulturgeschichte des Blicks leisten.
Programm:
Fabienne Pomel: La courtine chez Guillaume de Digulleville: une scénographie de la révélation et de l'incarnation du signe dans les Pèlerinages et le Roman de la fleur de lys (die Präsentation wird auf Englisch erfolgen)
Klaus Krüger: Bild und Vision. Zur medialen Konstruktion des Unsichtbaren
Ab Anfang Juni werden vor der Geschäftsstelle des Kollegs Texte zur Vorbereitung als Kopiervorlage ausliegen. Sie können auch bei Henrike Manuwald (henrike.manuwald@uni-koeln.de) angefordert werden.
Klaus Krüger ist Professor an der Freien Universität Berlin und Projektleiter im Teilprojekt A6. Zu seinen Forschungsthemen zählt das Verhältnis mentaler und realer Bilder. Vgl. dazu etwa Das Bild als Schleier des Unsichtbaren. Ästhetische Illusion in der Kunst der frühen Neuzeit in Italien (München 2001); Bild – Schleier – Palimpsest. Der Begriff des Mediums zwischen Materialität und Metaphorik (in: E. Müller [Hg.]: Begriffsgeschichte im Umbruch? Hamburg 2005, S. 81–112).
Fabienne Pomel ist Maître de Conférences an der Université de Rennes 2 – Haute Bretagne. Sie ist eine ausgewiesene Kennerin der spätmittelalterlichen allegorischen Literatur und hat ihre Thèse d’État zu einem Corpus altfranzösischer Visionsliteratur verfasst: Les voies de l’au-delà et l’essor de l’allegorie au Moyen Âge, Paris 2001 (Nouvelle bibliothèque du Moyen Âge 57). Soeben erschienen ist der von Frédéric Duval und ihr herausgegebene Tagungsband: Guillaume de Digulleville. Les pèlerinages allégoriques (Rennes 2008).
Veranstaltungstyp: Workshops
Zuletzt geändert am 21. Mai 2008 um 00:28 Uhr - Kontakt - Login zum Bearbeiten

