SFB/FK-427 Medien und kulturelle Kommunikation

Zur Medialität des Humors


Workshop des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs
Teilprojekt B8

Dienstag, 18.03.2008, 10:15-17:45 Uhr
Konferenzraum des Kollegs, Pohligstr.(EG), Köln-Zollstock

In der Arbeit mit kolonialen Bildpostkarten stößt man immer wieder auf Bilderwitze. Meistens handelt es sich um Karikaturen, die ein vermeintliches Unvermögen der Kolonisierten ausstellen. Mitunter geraten auch die Kolonisierenden selbst in den Fokus der Karikaturisten, insbesondere dann, wenn es um die Thematisierung von (oft sexualisierten) Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen geht. Gegenstand des Spottes ist dann nicht mehr nur das koloniale Gegenüber, sondern eben auch diejenigen Weißen, die den im kolonialen Rassismus vorgesehenen Subjektpositionen nicht entsprechen. Diese Karikaturen jedenfalls, die durch ihre humorisierenden Techniken der Überzeichnung und Verzerrung spezifische Figuren der Lächerlichkeit offenbaren, machen dabei auch sichtbar, was innerhalb kolonialer Ordnungsvorstellungen als prekär empfunden wurde.

Der Workshop will deshalb kulturgeschichtliche Perspektiven auf das Thema Humor diskutieren. Dabei wird Humor in einem umfassenden und allgemeinen Sinn als ein Medium der Belustigung verstanden, als ein Medium also, in dem Inhalte auf eine Weise kommuniziert werden, die zum Lachen anregen soll. Im Rahmen der verschiedenen Theorien, die angesichts von Phänomenen wie Humor, Witz oder Lachen entwickelt worden sind, zirkulieren je spezifische Funktionszuschreibungen und -bedingungen. Zu denken wäre etwa an den Aspekt der Entlastung (Freud) oder an den Aspekt der Anpassung (Bergson). Im Workshop sollen jedoch nicht nur theoretische Modelle im Vordergrund stehen, sondern auch historisch-spezifische Szenen oder nstellationen, von denen ausgehend nach den medialen Erscheinungsformen und nach den entsprechenden Verfahrensweisen von Humor gefragt werden soll. Darüber hinaus werden auch die jeweiligen methodischen Probleme in den Blick genommen, denen man begegnet, wenn man aus historischer Perspektive Status und Funktion von Humor zu ermitteln sucht.

Der Workshop gliedert sich in zwei Teile. Zunächst werden die eingeladenen Gäste aus ihrer Forschungsarbeit berichten. Dabei werden unterschiedliche Themenfelder zur Sprache kommen, wobei das gemeinsame Interesse am Thema Humor, an seiner Bedeutung und Wirkungsweise ein verbindendes Element darstellt. Martina Kessel (Historikerin, Bielefeld) wird sich mit dem Zusammenhang zwischen Gewalt bzw. Krieg und Humor in der deutschen Geschichte befassen. Michael Pesek (Historiker, Berlin) wird der Frage nachgehen, welche Rolle Humor im Hinblick auf die deutsche Kolonialfotografie gespielt hat. Und Anna Tuschling (Medienwissenschaftlerin, Basel) wird die Brücke schlagen zwischen psychoanalytischen Witztheorien und Theorien über (Anti-)Rassismus. Anschließend wird das Teilprojekt B8 »Koloniale Repräsentation auf Bildpostkarten in Deutschland 1870-1930« Teile seiner Forschungsarbeit zur Diskussion stellen. Thematisiert werden sollen vor allem Karikaturen auf Bildpostkarten, die koloniale rdnungsvorstellungen im Deutschen Kaiserreich visualisieren.


Programm:

10.15 Begrüßung und Einführung

10.30 Anna Tuschling: Selbstkritik und Fremdbilder im Witz

11.15 Martina Kessel: Humor in den Weltkriegen

12.15 Michael Pesek: Die Absurdität des Anderen - Humor in der kolonialen Kontaktzone

13.00 Mittagspause

15.00 Humor und Kolonialismus auf deutschen Bildpostkarten um 1900 - Präsentation und Diskussion

17.15 Abschlussdiskussion


Veranstaltungstyp: Workshops




Zuletzt geändert am 11. März 2008 um 14:51 Uhr - Kontakt - Login zum Bearbeiten