Tue, 11 Nov 2008 11:16:20 +0100Das PlanetarischeSFB/FK-427, Thomas Waitz
http://www.fk-427.de/DasPlanetarische
Podcast Maker v1.2.8a - http://www.potionfactory.com/podcastmakerBeiträge einer Tagung des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnKultur - Technik – Medien im postglobalen ZeitalterBeiträge einer Tagung des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölndeSFB/FK-427http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.5/Thomas Waitz[email protected]http://www.fk-427.de/static/podcast/planetarisch-300_144.jpgDas Planetarische
http://www.fk-427.de/DasPlanetarische
144144Society & CulturenoCartographies of TimeWilliam UricchioOne can find any number of sites where anonymous transnational collectives of people both produce and are bound together by images and histories. The combined images in circulation at any given moment (postcards, posters, advertisements, etc) would be an example, as would in a European setting, the imagery and texts adorning the various Euro notes and coins. But I would like to focus on deployments that are bound up with new technologies: the ways that social tagging offers both highly idiosyncratic, yet in the aggregate, highly articulate meanings in sites like Flickr; the way that Google Map mashups allow the over-writing and repurposing of standard cartographies; the ways that emergent technologies such as Microsoft’s Photosynth assemble thousands of individuals’ photos of a place into an algorithm-based, multi-perspectival whole; or the ways that virtual presences – Berlin’s ‘virtual wall’ or Art + Com's ‘The Invisible Shape of Things Past’ – offer strategies to accrete and spatialize the past.
The overarching point will be to look at the affordances of the digital as they enable collaborative visual composites, and as they re-position traditional notions of agency thanks to increasing reliance on code and software design. These new composites, I will argue, are beyond the agency of any individual, outside the frame of any nation; they reflect new logics, new possibilities, new powers, … and new collectivities. I would like to explore the manifestations of these collectivities in terms of the ‘Welt-Bild’ they generate and consider in particular their engagement with a spatial notion of the past.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnOne can find any number of sites where anonymous transnational collectives of people both produce and are bound together by images and histories. The combined images in circulation at any given moment (postcards, posters, advertisements, etc) would be an example, as would in a European setting, the imagery and texts adorning the various Euro notes and coins. But I would like to focus on deployments that are bound up with new technologies: the ways that social tagging offers both highly idiosyncratic, yet in the aggregate, highly articulate meanings in sites like Flickr; the way that Google Map mashups allow the over-writing and repurposing of standard cartographies; the ways that emergent technologies such as Microsoft’s Photosynth assemble thousands of individuals’ photos of a place into an algorithm-based, multi-perspectival whole; or the ways that virtual presences – Berlin’s ‘virtual wall’ or Art + Com's ‘The Invisible Shape of Things Past’ – offer strategies to accrete and spatialize the past.
The overarching point will be to look at the affordances of the digital as they enable collaborative visual composites, and as they re-position traditional notions of agency thanks to increasing reliance on code and software design. These new composites, I will argue, are beyond the agency of any individual, outside the frame of any nation; they reflect new logics, new possibilities, new powers, … and new collectivities. I would like to explore the manifestations of these collectivities in terms of the ‘Welt-Bild’ they generate and consider in particular their engagement with a spatial notion of the past.http://www.fk-427.de/static/podcast/uricchio.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:46:46 +0100Society & Cultureno00:35:49Die Zukunft des Kolonialen. Herman Kahn als Berater der NASAClaus PiasVortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnVortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu Kölnhttp://www.fk-427.de/static/podcast/pias.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:46:46 +0100Society & Cultureno00:37:30Weiße Flecken und finstre Herzen. Von der symbolischen Weltordnung zur WeltentwurfsordnungBernhard SiegertMartin Heidegger zufolge ist der Grundvorgang der Neuzeit die Eroberung der Welt als Bild. Diese Eroberung basiert auf dem Entwurf: Das neuzeitlich-europäische Subjekt entwirft sich als vom Entwurf Entworfenes. Dieser Entwurf hat planetarische Dimensionen. Die Frage ist, wie Heideggers Überlegungen zum Entwurf im einzelnen auf die traditionellen Künste des Entwerfens übertragen werden können: auf Architektur, Malerei und Skulptur. Die These ist, daß hierzu das Entwerfen von seiner florentinischen Lesart als disegno zu distanzieren und stattdessen als Kulturtechnik der Projektion und Projektierung aufzufassen wäre. Der Entwurf nimmt seinen Ausgang nicht von einem genialen "uomo universale", der in einem Kraftakt des Willens das Entwerfen entworfen hätte, sondern von Werkstatttechniken im 14. Jahrhundert, in denen die Zeichnung als Medium Bedeutung erlangte. Von hier aus beginnt sich im 16. Jahrhundert die Möglichkeit, das Zukunftsoffene als einerseits das Virtuelle und andererseits als das Unbekannte zu verzeichnen, als Praxis technischer Designs in den Werkstätten und als Praxis der kartographischen Landnahme im globalen Maßstab durchzusetzen. Der Beitrag versucht zu zeigen, wie beides – die Werkstatt und das Planetarische – im Modus graphischer Operationen zusammenfindet.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnMartin Heidegger zufolge ist der Grundvorgang der Neuzeit die Eroberung der Welt als Bild. Diese Eroberung basiert auf dem Entwurf: Das neuzeitlich-europäische Subjekt entwirft sich als vom Entwurf Entworfenes. Dieser Entwurf hat planetarische Dimensionen. Die Frage ist, wie Heideggers Überlegungen zum Entwurf im einzelnen auf die traditionellen Künste des Entwerfens übertragen werden können: auf Architektur, Malerei und Skulptur. Die These ist, daß hierzu das Entwerfen von seiner florentinischen Lesart als disegno zu distanzieren und stattdessen als Kulturtechnik der Projektion und Projektierung aufzufassen wäre. Der Entwurf nimmt seinen Ausgang nicht von einem genialen "uomo universale", der in einem Kraftakt des Willens das Entwerfen entworfen hätte, sondern von Werkstatttechniken im 14. Jahrhundert, in denen die Zeichnung als Medium Bedeutung erlangte. Von hier aus beginnt sich im 16. Jahrhundert die Möglichkeit, das Zukunftsoffene als einerseits das Virtuelle und andererseits als das Unbekannte zu verzeichnen, als Praxis technischer Designs in den Werkstätten und als Praxis der kartographischen Landnahme im globalen Maßstab durchzusetzen. Der Beitrag versucht zu zeigen, wie beides – die Werkstatt und das Planetarische – im Modus graphischer Operationen zusammenfindet.http://www.fk-427.de/static/podcast/siegert.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:46:46 +0100Society & Cultureno00:46:13Weltverkehr als Technik und als Semantik des GlobalenNiels Werber1887 spricht Ferdinand Tönnies von der Möglichkeit, aus einer über »den ganzen Erdkreis« sich erstreckende Zirkulation der Meinungen und Gelder im Medium des »Weltverkehrs« gingen nicht nur »Weltmarkt«, »Weltindustrien«, »Weltblätter« und »Weltstädte« hervor, sondern womöglich auch ein »Weltstaat«, der »über alle Grenzen hinaus sich erstreckt«. Die technische Seite des Weltverkehrs umfaßt aus seiner Sicht all das, was die angelsächsischen Beobachter communications nennen: Eisenbahnen und Telegraphie, Schiffahrt und Massenmedien. Darüber, daß diese communications planetarische Dimension erreicht haben, herrscht Übereinstimmung. Darüber, daß aus dem Weltverkehr auch ein Weltstaat, eine Weltgesellschaft oder eine vereinte Menschheit hervorgeht, nicht. Im Gegenteil, andere zeitgenössische Beobachter können im Weltverkehr nicht viel mehr sehen als die Ausweitung der Kampfzone der Staaten und Konzerne auf den ganzen Planeten.
Interessant an diesen um 1900 vorliegenden Typen ist nicht nur das Problem, wie die erheblichen Differenzen in der Semantisierung der gleichen Techniken zu begründen sein könnten, ein Problem, das die Medien- und Technikgeschichte zu kulturwissenschaftlichen Erklärungen drängt. Und interessant ist angesichts der Poetologie dieser Semantik des Weltverkehrs die Frage, ob die gleichen Bilder und Verknüpfungsregeln womöglich noch unseren aktuellen Beschreibungen der Globalisierung zugrunde liegen. Beiden Fragen möchte ich in meinem Vortrag nachgehen.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu Köln1887 spricht Ferdinand Tönnies von der Möglichkeit, aus einer über »den ganzen Erdkreis« sich erstreckende Zirkulation der Meinungen und Gelder im Medium des »Weltverkehrs« gingen nicht nur »Weltmarkt«, »Weltindustrien«, »Weltblätter« und »Weltstädte« hervor, sondern womöglich auch ein »Weltstaat«, der »über alle Grenzen hinaus sich erstreckt«. Die technische Seite des Weltverkehrs umfaßt aus seiner Sicht all das, was die angelsächsischen Beobachter communications nennen: Eisenbahnen und Telegraphie, Schiffahrt und Massenmedien. Darüber, daß diese communications planetarische Dimension erreicht haben, herrscht Übereinstimmung. Darüber, daß aus dem Weltverkehr auch ein Weltstaat, eine Weltgesellschaft oder eine vereinte Menschheit hervorgeht, nicht. Im Gegenteil, andere zeitgenössische Beobachter können im Weltverkehr nicht viel mehr sehen als die Ausweitung der Kampfzone der Staaten und Konzerne auf den ganzen Planeten.
Interessant an diesen um 1900 vorliegenden Typen ist nicht nur das Problem, wie die erheblichen Differenzen in der Semantisierung der gleichen Techniken zu begründen sein könnten, ein Problem, das die Medien- und Technikgeschichte zu kulturwissenschaftlichen Erklärungen drängt. Und interessant ist angesichts der Poetologie dieser Semantik des Weltverkehrs die Frage, ob die gleichen Bilder und Verknüpfungsregeln womöglich noch unseren aktuellen Beschreibungen der Globalisierung zugrunde liegen. Beiden Fragen möchte ich in meinem Vortrag nachgehen.http://www.fk-427.de/static/podcast/werber.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:46:46 +0100Society & Cultureno00:25:32Europe between the Atlantic and UralsAntonio NegriThe question to ask today is how we can imagine a Europe outside of unilateral American imperialism. Our initial hypothesis is, in fact, that the United State’s attempt to unilaterally control the process of globalization has failed.
To answer, first of all, an observation: European history is a history of nationalisms and imperialisms but also a history of Enlightenment and class struggle. The American dominion over Europe, following two world wars, organized Europe as a border against “real socialism” externally and against class struggle within. This double bind was interrupted with the end of the Soviet Union.
The transformations of class struggle that are underway in Europe (managed by the new intellectual and precarious labor force) can permit to connect the Enlightenment and the socialist gains of the proletariat. European capitalism, the European Central Bank (ECB) have to suffer this new development in class struggle. We can verify a few concrete examples but, above all, we can verify the tendency.
Is it possible to think that the Atlantic is getting deeper? That the exchanges between USA – Europe are becoming less important from in military aspects, and more important from a cultural point of view? On the other hand, is it possible that European culture opens itself towards Urals? What are the possible consequences of these two tendencies? How can a class struggle that crosses the Atlantic and opens up to Siberia, rekindle the hope of the Enlightenment?Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnThe question to ask today is how we can imagine a Europe outside of unilateral American imperialism. Our initial hypothesis is, in fact, that the United State’s attempt to unilaterally control the process of globalization has failed.
To answer, first of all, an observation: European history is a history of nationalisms and imperialisms but also a history of Enlightenment and class struggle. The American dominion over Europe, following two world wars, organized Europe as a border against “real socialism” externally and against class struggle within. This double bind was interrupted with the end of the Soviet Union.
The transformations of class struggle that are underway in Europe (managed by the new intellectual and precarious labor force) can permit to connect the Enlightenment and the socialist gains of the proletariat. European capitalism, the European Central Bank (ECB) have to suffer this new development in class struggle. We can verify a few concrete examples but, above all, we can verify the tendency.
Is it possible to think that the Atlantic is getting deeper? That the exchanges between USA – Europe are becoming less important from in military aspects, and more important from a cultural point of view? On the other hand, is it possible that European culture opens itself towards Urals? What are the possible consequences of these two tendencies? How can a class struggle that crosses the Atlantic and opens up to Siberia, rekindle the hope of the Enlightenment?http://www.fk-427.de/static/podcast/negri.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:46:46 +0100Society & Cultureno00:54:25Digging into Google EarthLisa ParksThe goal of this essay is to develop a series of critical questions for engaging with Google Earth layers and the kinds of historical and geographic knowledges they are used to produce. They essay moves from a discussion of the semiotics of the interface to an analysis of specific uses of Google Earth for “humanitarian” purposes concentrating upon the crisis in Darfur, Sudan. I also situate Google Earth interfaces within a broader history of global media exploring how they build upon and combine the conventions of world maps, travel photography, and global news networks. Like global newscasts, Google Earth interfaces appropriate satellite imagery to represent world historical events, yet differ in that the field of representation has been opened in an unprecedented way to geographically dispersed users with various vantage points, social backgrounds and political interests. GE users in different parts of the world can alter the interface by uploading data (whether text, photo, video or audio) that is specific to various locations. What distinguishes Google Earth from earlier media, then, is that geographic and historical information can be produced and uploaded from a variety of points on the planet and by a variety of users.
While celebrations of Google Earth’s potentials abound in the press, there has been minimal discussion regarding the disproportionate number of GE users in different parts of the world. In general, those with access to Google Earth remain a privileged few. Like news agencies, Google Earth databases tend to represent and speak for non-Western Others, extending Eurocentric knowledge systems rather than complicating them. In the Sudanese and Iraqi cases I examine, there is little historical contextualization at GE interfaces as well as a ready embrace of both satellite and ground perspectives as "truth-bearing evidence." Finally, there is little sense that the packaging and distribution of information in this way has had any impact upon international policy-making. The essay closes, then, with a discussion of a series of tensions embedded within Google Earth. More specifically, I consider the contradiction between Google’s corporatization of world space and individuals’ capacities to produce disparate knowledges about it, the disjuncture between orbital and grounded perspectives, and the power differentials between those who produce geo-encoded data and those rendered by it.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnThe goal of this essay is to develop a series of critical questions for engaging with Google Earth layers and the kinds of historical and geographic knowledges they are used to produce. They essay moves from a discussion of the semiotics of the interface to an analysis of specific uses of Google Earth for “humanitarian” purposes concentrating upon the crisis in Darfur, Sudan. I also situate Google Earth interfaces within a broader history of global media exploring how they build upon and combine the conventions of world maps, travel photography, and global news networks. Like global newscasts, Google Earth interfaces appropriate satellite imagery to represent world historical events, yet differ in that the field of representation has been opened in an unprecedented way to geographically dispersed users with various vantage points, social backgrounds and political interests. GE users in different parts of the world can alter the interface by uploading data (whether text, photo, video or audio) that is specific to various locations. What distinguishes Google Earth from earlier media, then, is that geographic and historical information can be produced and uploaded from a variety of points on the planet and by a variety of users.
While celebrations of Google Earth’s potentials abound in the press, there has been minimal discussion regarding the disproportionate number of GE users in different parts of the world. In general, those with access to Google Earth remain a privileged few. Like news agencies, Google Earth databases tend to represent and speak for non-Western Others, extending Eurocentric knowledge systems rather than complicating them. In the Sudanese and Iraqi cases I examine, there is little historical contextualization at GE interfaces as well as a ready embrace of both satellite and ground perspectives as "truth-bearing evidence." Finally, there is little sense that the packaging and distribution of information in this way has had any impact upon international policy-making. The essay closes, then, with a discussion of a series of tensions embedded within Google Earth. More specifically, I consider the contradiction between Google’s corporatization of world space and individuals’ capacities to produce disparate knowledges about it, the disjuncture between orbital and grounded perspectives, and the power differentials between those who produce geo-encoded data and those rendered by it.http://www.fk-427.de/static/podcast/parks.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:46:45 +0100Society & Cultureno00:35:01Welt im Plural. Le Corbusier, Buckminster Fuller und das FuturamaGloria MeynenKarten zeigen die Welt im Überblick. Selten zeigen sie dabei, wie sie ist, häufiger, wie sie war, wie sie wird oder wie sie sein könnte. Die Welt sei entdeckt, schreibt der Geopolitiker Halford Mackinder 1919, es gäbe keinen weißen Flecken mehr, die Welt zeige sich zum ersten Mal als weltumspannendes System. Der Blick auf das System aber erfordere die Karte im Kopf, den kartographischen Blick, erst er kann im Meer der Ereignisse die Konturen der Weltinsel entdecken. Buckminster Fuller wählt daraufhin eine modulare Karte im Tangrammstil, um das Denken im Weltformat auf dem Fußboden zu trainieren. Ebenso Herbert George Wells, der in seinen »Floor Games« das Denken in Möglichkeiten mit Holzlatten und Laubsägearbeiten in die Erziehung seiner Söhne einbaut. Le Corbusier mobilisiert seine Architektur mit dem kartographischen Blick der Royal Air Force. Er reißt Höhen ein, um sie auf der leeren Fläche wieder neu zu errichten. Im Futurama von 1939 zeigt sich die Welt von Morgen auf einer Karte im Pavillonformat der New Yorker Weltausstellung, die man auf einer beweglichen Tribüne mit den Augen einer DC-3 überfliegen kann. Der kartographische Blick ignoriert die Nahaufnahme und das Detail. Er setzt die Welt als Ganzes, und sieht dabei mit den Augen von Außerirdischen. Wie kann man auf dem Globus global denken, Selbstreferenz durch Fremdreferenz maximieren? Wie kann man Zeit verebnen, die Zukunft vergegenwärtigen – einen Ort bereisen, der nirgendwo existiert? Wie kann man denken, was noch nie gedacht wurde? Wie kommt das Neue in die Welt? Wie lässt es sich vorhersagen, wie systematisch erforschen oder gar erzwingen? Der Beitrag stellt unterschiedliche Zukunftskonzepte vor, die alle im Schatten der Weltkriege entstehen und Karten zu einem Ort eines höchst spekulativen Wissens machen. Das zukünftige Wissen richtet sich weniger an Orten und Wegen als an Richtungen und Bewegungen aus. Am Beispiel des Fliegerblicks und des fluiden Wissens des Meeres untersucht der Beitrag, wie Karten ein Denken in Kontingenzen ermöglichen, wie sie die Welt in den Plural setzen.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnKarten zeigen die Welt im Überblick. Selten zeigen sie dabei, wie sie ist, häufiger, wie sie war, wie sie wird oder wie sie sein könnte. Die Welt sei entdeckt, schreibt der Geopolitiker Halford Mackinder 1919, es gäbe keinen weißen Flecken mehr, die Welt zeige sich zum ersten Mal als weltumspannendes System. Der Blick auf das System aber erfordere die Karte im Kopf, den kartographischen Blick, erst er kann im Meer der Ereignisse die Konturen der Weltinsel entdecken. Buckminster Fuller wählt daraufhin eine modulare Karte im Tangrammstil, um das Denken im Weltformat auf dem Fußboden zu trainieren. Ebenso Herbert George Wells, der in seinen »Floor Games« das Denken in Möglichkeiten mit Holzlatten und Laubsägearbeiten in die Erziehung seiner Söhne einbaut. Le Corbusier mobilisiert seine Architektur mit dem kartographischen Blick der Royal Air Force. Er reißt Höhen ein, um sie auf der leeren Fläche wieder neu zu errichten. Im Futurama von 1939 zeigt sich die Welt von Morgen auf einer Karte im Pavillonformat der New Yorker Weltausstellung, die man auf einer beweglichen Tribüne mit den Augen einer DC-3 überfliegen kann. Der kartographische Blick ignoriert die Nahaufnahme und das Detail. Er setzt die Welt als Ganzes, und sieht dabei mit den Augen von Außerirdischen. Wie kann man auf dem Globus global denken, Selbstreferenz durch Fremdreferenz maximieren? Wie kann man Zeit verebnen, die Zukunft vergegenwärtigen – einen Ort bereisen, der nirgendwo existiert? Wie kann man denken, was noch nie gedacht wurde? Wie kommt das Neue in die Welt? Wie lässt es sich vorhersagen, wie systematisch erforschen oder gar erzwingen? Der Beitrag stellt unterschiedliche Zukunftskonzepte vor, die alle im Schatten der Weltkriege entstehen und Karten zu einem Ort eines höchst spekulativen Wissens machen. Das zukünftige Wissen richtet sich weniger an Orten und Wegen als an Richtungen und Bewegungen aus. Am Beispiel des Fliegerblicks und des fluiden Wissens des Meeres untersucht der Beitrag, wie Karten ein Denken in Kontingenzen ermöglichen, wie sie die Welt in den Plural setzen.http://www.fk-427.de/static/podcast/meynen.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:28:29 +0100Society & Cultureno00:40:34Mobilizing Bias in Internet GovernanceJeanette HofmannThe Internet forms a border-crossing, more or less global network that doesn't belong to anyone. In light of its specific "distributed" architecture, it is by no means obvious how the Internet should be governed and by whom. Indeed, the legitimacy of the current governance model has been under discussion for more than a decade and to this day, its various components remain in a state of flux. The latest organizational experiment has been the creation of the Internet Governance Forum in 2006, a temporary venue under the auspices of the United Nations that aims to assemble a broad diversity of actors with a stake in the development of the Internet. The Internet Governance Forum with its emphasis on soft tools such as facilitating discourse and exchange of information seems emblematic for a new type of transnational regulation. Based on an account of how this model works in practice, I will offer some thoughts on its political impact. What does this mode of governance enable, what does it exclude?Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnThe Internet forms a border-crossing, more or less global network that doesn't belong to anyone. In light of its specific "distributed" architecture, it is by no means obvious how the Internet should be governed and by whom. Indeed, the legitimacy of the current governance model has been under discussion for more than a decade and to this day, its various components remain in a state of flux. The latest organizational experiment has been the creation of the Internet Governance Forum in 2006, a temporary venue under the auspices of the United Nations that aims to assemble a broad diversity of actors with a stake in the development of the Internet. The Internet Governance Forum with its emphasis on soft tools such as facilitating discourse and exchange of information seems emblematic for a new type of transnational regulation. Based on an account of how this model works in practice, I will offer some thoughts on its political impact. What does this mode of governance enable, what does it exclude?http://www.fk-427.de/static/podcast/hofmann.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:28:29 +0100Society & Cultureno00:23:49Das Planetarische als WunschproduktionDie Geheimagentur in Kooperation mit dem Club der Autonomen AstronautenViele Leute wollen Astronauten werden, aber nur ganz wenigen gelingt es. Dass das ein Problem ist, versteht jedes Kind. In einem kollektiven Forschungsprozess zwischen Kindheit, Kunst und Wissenschaft sucht der Club der Autonomen Astronauten nach Wegen, den Zugang zur Raumfahrt zu egalisieren. Seit Buckminster Fuller ist bekannt: Aus planetarischer Perspektive sind wir alle Astronauten: Gelingt es diese Perspektive einzunehmen, werden alltägliche Bewegungen zu Experimenten mit der Schwerkraft. Ein Handy zu benutzen, heißt dann, seine Stimme ins All zu schicken und wieder zurück. Paradoxer Weise erkennen Autonome Astronauten schnell, wie sie in und mit Systemen zusammenhängen, wie Steuerung, Kontrolle und Fernbedienung funktionieren. Raumfahrt auf der Erde bedeutet aber auch, durch jede beliebige Tür ins Weltall hinaustreten zu können. Mit einer mobilen Raumstation testet der Club die Möglichkeiten der irdischen Raumfahrt. Auf regelmäßigen Clubversammlungen werden die Ergebnisse präsentiert und diskutiert. Diskursive Grenzen zwischen Kultur- und Naturwissenschaft, Wissenschaft und Performance machen dabei keinen Sinn. Autonome Astronauten forschen anders.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnViele Leute wollen Astronauten werden, aber nur ganz wenigen gelingt es. Dass das ein Problem ist, versteht jedes Kind. In einem kollektiven Forschungsprozess zwischen Kindheit, Kunst und Wissenschaft sucht der Club der Autonomen Astronauten nach Wegen, den Zugang zur Raumfahrt zu egalisieren. Seit Buckminster Fuller ist bekannt: Aus planetarischer Perspektive sind wir alle Astronauten: Gelingt es diese Perspektive einzunehmen, werden alltägliche Bewegungen zu Experimenten mit der Schwerkraft. Ein Handy zu benutzen, heißt dann, seine Stimme ins All zu schicken und wieder zurück. Paradoxer Weise erkennen Autonome Astronauten schnell, wie sie in und mit Systemen zusammenhängen, wie Steuerung, Kontrolle und Fernbedienung funktionieren. Raumfahrt auf der Erde bedeutet aber auch, durch jede beliebige Tür ins Weltall hinaustreten zu können. Mit einer mobilen Raumstation testet der Club die Möglichkeiten der irdischen Raumfahrt. Auf regelmäßigen Clubversammlungen werden die Ergebnisse präsentiert und diskutiert. Diskursive Grenzen zwischen Kultur- und Naturwissenschaft, Wissenschaft und Performance machen dabei keinen Sinn. Autonome Astronauten forschen anders.http://www.fk-427.de/static/podcast/geheimagentur.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:28:29 +0100Society & Cultureno00:42:57Die normative Kraft des Flüchtigen. Figurationen des Globalen in der Welt der Weltausstellungen, 1851-1900Alexander C. T. GeppertDie internationalen Ausstellungen des 19. Jahrhunderts stellen das mediale Äquivalent zum Internet des 21. Jahrhunderts dar. Seit ihrer Inauguration am 1. Mai 1851 war es erklärtes Ziel jeder nachfolgenden Weltausstellung, für einen begrenzten Zeitraum an einem fest umrissenen Ort innerhalb der ausstellenden Großstadt eine maßstabsgetreue Miniaturversion der Welt zur Schau zu stellen. Für repräsentativ erachtete und überall zusammen gesammelte Artefakte wurden in der Metropole nach stets komplexeren Klassifikationssystemen für ein von weither anreisendes Millionenpublikum aufbereitet und dabei mögliche Formen einer zukünftigen Weltgesellschaft erprobt. Was sich jedoch nachhaltig globalisierte, war nicht die Message, sondern das Medium. Binnen kurzem bildete sich ein 'world wide web' des Ausstellungswesens, an dem teilzuhaben jede Großstadt erst zur Weltstadt erhob. Das 'Rätsel' dieses Netzwerkes lautete nicht, wieso in regelmäßigen Abständen immer aufwendigere Ausstellungen an immer neuen Orten veranstaltet wurden, sondern warum diese ephemeren urbanen Räume stets über dieselben intertexturellen Accessoires verfügten und weit reichende strukturelle Ähnlichkeiten aufwiesen. Wie ist der zu einem frühen Zeitpunkt hohe Grad an Selbstbezüglichkeit und intermedialer Verschränkung zu erklären? Der Vortrag verfolgt unterschiedlich gelagerte Figurationen des Globalen im "Weltausstellungssystem" (Friedrich Reusche) bis etwa 1900, als das Medium einen Großteil seiner Prägekraft eingebüßt hatte und das deutsche Schlagwort der "Ausstellungsmüdigkeit" auch die internationale Debatte prägte.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnDie internationalen Ausstellungen des 19. Jahrhunderts stellen das mediale Äquivalent zum Internet des 21. Jahrhunderts dar. Seit ihrer Inauguration am 1. Mai 1851 war es erklärtes Ziel jeder nachfolgenden Weltausstellung, für einen begrenzten Zeitraum an einem fest umrissenen Ort innerhalb der ausstellenden Großstadt eine maßstabsgetreue Miniaturversion der Welt zur Schau zu stellen. Für repräsentativ erachtete und überall zusammen gesammelte Artefakte wurden in der Metropole nach stets komplexeren Klassifikationssystemen für ein von weither anreisendes Millionenpublikum aufbereitet und dabei mögliche Formen einer zukünftigen Weltgesellschaft erprobt. Was sich jedoch nachhaltig globalisierte, war nicht die Message, sondern das Medium. Binnen kurzem bildete sich ein 'world wide web' des Ausstellungswesens, an dem teilzuhaben jede Großstadt erst zur Weltstadt erhob. Das 'Rätsel' dieses Netzwerkes lautete nicht, wieso in regelmäßigen Abständen immer aufwendigere Ausstellungen an immer neuen Orten veranstaltet wurden, sondern warum diese ephemeren urbanen Räume stets über dieselben intertexturellen Accessoires verfügten und weit reichende strukturelle Ähnlichkeiten aufwiesen. Wie ist der zu einem frühen Zeitpunkt hohe Grad an Selbstbezüglichkeit und intermedialer Verschränkung zu erklären? Der Vortrag verfolgt unterschiedlich gelagerte Figurationen des Globalen im "Weltausstellungssystem" (Friedrich Reusche) bis etwa 1900, als das Medium einen Großteil seiner Prägekraft eingebüßt hatte und das deutsche Schlagwort der "Ausstellungsmüdigkeit" auch die internationale Debatte prägte.http://www.fk-427.de/static/podcast/geppert.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:28:28 +0100Society & Cultureno00:33:55Kohlenstoffzyklus und Kapitalkreislauf. Wie mit dem Klimakollaps Geld verdient wirdElmar AltvaterWenn die fossilen Energieträger im Erdboden geortet sind, werden sie als Öl-, Gas- und Kohlereserven verbucht und erscheinen zugleich als Kapitalwert in den Bilanzen der Rohstofffirmen. Deren Börsenwert steigt und mit ihm in aller Regel auch die Gehälter der führenden Manager. Weniger Öl aus dem Boden zu holen ("leave the oil in the soil") ist daher gleichbedeutend mit einer Vernichtung von Kapital, gegen die sich die Ölkonzerne zur Wehr setzen. Daher versucht Klimapolitik, nicht die Ölförderung (und die anderer fossiler Energieträger) zu drosseln, sondern die Emissionen der Verbrennung des Öls zu neutralisieren: durch Förderung von Kohlenstoffsenken (z.B. Aufforstung von Wäldern) oder indem das CO2 abgeschieden, in Kavernen der Erdkurste verpresst und dort für lange Zeit gelagert wird. Letztere Methode funktioniert bislang nicht. Also wird mit "marktbasierten Instrumenten" (Emissionshandel) versucht, erstens die Effizienz der Energienutzung zu steigern und zweitens Kohlenstoffsenken zu fördern, indem Emissionsrechte verkauft werden. Mit Zertifikaten über Emissionsrechte ist ein blühender Handel zwischen nördlichen Industrieländern und Ländern des globalen Südens entstanden. Klimapolitik wird also mehr und mehr von Akteuren der Finanzmärkte gemacht, die eher Interesse an guten Geschäften als an einer Reduktion der Emission von Treibhausgasen haben. Die Klimapolitik befindet sich auf einem gefährlichen Irrweg, der in die falsche Richtung führt. Kaum jemand merkt es und kaum jemand setzt sich für eine Kurskorrektur ein.Vortrag auf der Konferenz "Das Planetarische. Kultur - Technik – Medien im postglobalen Zeitalter", 9-11. Oktober 2008, Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" (SFB/FK-427), Universität zu KölnWenn die fossilen Energieträger im Erdboden geortet sind, werden sie als Öl-, Gas- und Kohlereserven verbucht und erscheinen zugleich als Kapitalwert in den Bilanzen der Rohstofffirmen. Deren Börsenwert steigt und mit ihm in aller Regel auch die Gehälter der führenden Manager. Weniger Öl aus dem Boden zu holen ("leave the oil in the soil") ist daher gleichbedeutend mit einer Vernichtung von Kapital, gegen die sich die Ölkonzerne zur Wehr setzen. Daher versucht Klimapolitik, nicht die Ölförderung (und die anderer fossiler Energieträger) zu drosseln, sondern die Emissionen der Verbrennung des Öls zu neutralisieren: durch Förderung von Kohlenstoffsenken (z.B. Aufforstung von Wäldern) oder indem das CO2 abgeschieden, in Kavernen der Erdkurste verpresst und dort für lange Zeit gelagert wird. Letztere Methode funktioniert bislang nicht. Also wird mit "marktbasierten Instrumenten" (Emissionshandel) versucht, erstens die Effizienz der Energienutzung zu steigern und zweitens Kohlenstoffsenken zu fördern, indem Emissionsrechte verkauft werden. Mit Zertifikaten über Emissionsrechte ist ein blühender Handel zwischen nördlichen Industrieländern und Ländern des globalen Südens entstanden. Klimapolitik wird also mehr und mehr von Akteuren der Finanzmärkte gemacht, die eher Interesse an guten Geschäften als an einer Reduktion der Emission von Treibhausgasen haben. Die Klimapolitik befindet sich auf einem gefährlichen Irrweg, der in die falsche Richtung führt. Kaum jemand merkt es und kaum jemand setzt sich für eine Kurskorrektur ein.http://www.fk-427.de/static/podcast/altvater.mp4Mon, 10 Nov 2008 20:04:42 +0100Society & Cultureno00:35:15